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Was ist ein Danajon-Riffsystem? Umgebung

Was ist ein Danajon-Riffsystem?

von Unser Gastblogger Michael Ready ist Naturfotograf und iLCP-Mitglied aus San Diego, Kalifornien  | 

Nach einer zweieinhalbtägigen Reise mit vier Flugzeugen, einer Fähre und zwei Auslegern erreichte ich schließlich Handumon – ein abgelegenes Dorf mit Feldstation auf Jandayan Island auf den Philippinen.

Im vergangenen Jahr hat sich die International League of Conservation Photographers (insert link www.ilcp.com) mit dem Project Seahorse (insert link www.projectseahorse.org) und der Zoological Society of London (insert link www.zsl.org/conservation) zusammengeschlossen, um das Bewusstsein für diesen ganz besonderen Ort zu schärfen. Vier Unterwasser-Fotografen (Claudio Contreras-Koob, Thomas Peschak, Luciano Candisani und ich) reisten aus Mexiko, Südafrika, Brasilien und den USA an, um einen wenig bekannten, aber sehr wichtigen Teil der Welt zu dokumentieren: Das Danajon-Riffsystem.

Als ich das erste Mal von den Plänen einer iLCP-Expedition zur Dokumentation des Danajon-Riffsystems hörte, sagte ich, was wohl die meisten sagen würden: Was ist denn das Danajon-Riff? Dem Großteil der Welt, und sogar vielen Einheimischen, ist dieses einzigartige biologische Kleinod unbekannt – aber das sollte es nicht sein.

Das Danajon-Riff (Da-na-hon) ist ein einzigartiges Doppel-Barriereriff im Central Visayas Gebiet der Philippinen. Es erstreckt sich über 156 Kilometer, verläuft entlang der Inseln Bohol, Cebu, Leyte und Southern Leyte und ist eines von nur sechs Doppel-Barriereriffs weltweit. Das Danajon-Riff ist nicht nur eine extrem seltene geologische Formation, sondern wird auch als eines der meeresbiologisch artenreichsten Gebiete weltweit betrachtet. Meereslebewesen im gesamten Pazifik haben hier ihren Ursprung.

Als iLCP-Fotografen waren wir dort, um nicht nur die Schönheit und Vielfalt des Danajon-Riffsystems zu dokumentieren, sondern auch die Zerstörung dieser biologisch sensiblen und hoch gefährdeten Seelandschaft.

Korallenriffe, Mangroven und Seegras-Biome sind wichtige Biotope, deren Fortbestand weltweit bedroht ist. Das Danajon-Riff ist da keine Ausnahme und ein besonders geeignetes Beispiel für die Zerbrechlichkeit dieser Systeme und unsere Verbindung dazu. Leider sind viele der einstmals artenreichen und übervollen Riffe des Danajon-Riffsystems nur noch Überreste ihrer früheren Pracht. Überfischung und die verbreitete Anwendung zerstörerischer Fangmethoden haben das Meeresleben stark dezimiert und die Riffe auf Kosten von fast 200 bedrohten Arten extrem belastet. Das zunehmende Eindringen des Menschen in die Natur, Bevölkerungswachstum, Umweltverschmutzung und Klimawandel haben die Probleme für dieses riesige Ökosystem und die Menschen, die von ihm abhängen, weiter verschärft.

Im Wasser war ich sofort von der akuten Fischarmut schockiert. Im Gegensatz zu den farbenprächtigen und lebendigen Riffen, die ich in der tropischen Südsee gesehen hatte, gibt es in den Riffen und Lagunen von Danajon keine großen Fische mehr. Infolgedessen haben auch bedeutende Raubtiere wie die Riffhaie das Jagen in diesen dezimierten Gründen aufgegeben.

Dynamitfischfang – also die Fischerei mit Sprengstoffen – wird in dieser Region schon seit langem praktiziert. Obwohl diese Art des Fischens sehr gefährlich und auch gesetzlich untersagt ist, wird sie zwar heimlich, aber immer noch in verheerendem Ausmaß ausgeübt. Diese Schnellfangmethode zusammen mit der wahllosen Grundschleppnetzfischerei haben die Riffe des gesamten Danajon-Riffsystems verwüstet. So fanden sich ohne Mühe zahllose Beispiele toter oder sterbender Riffe. Diese unheimlichen aquatischen Geisterstädte waren nur allzu verbreitet. Beim Durchschwimmen fühlte ich mich wie ein Archäologe, der die traurigen und faszinierenden Überreste einer lange verlorenen Zivilisation entdeckt und sich vorstellt, wie es dort wohl vor der Zerstörung ausgesehen haben mag.

Die Gewässer des Danajon-Riffsystems dienen schätzungsweise einer Million Menschen als Nahrungsquelle und Lebensgrundlage. Niemand ist sich der dezimierten Fischbestände und des Mangels an großen Fischen stärker bewusst als die Menschen dieser Insel-Gemeinden. Die Arbeit einer ganzen Nacht war oft nur der magere Fang von einer Handvoll kleiner Fische und auf den Inseln, die wir besuchten, an der Tagesordnung.

Die Probleme hier sind komplex, darum werden es die Lösungen auch sein müssen. Dank der Arbeit von Project Seahorse, ZSL und anderer Initiativen gibt es jedoch Grund zur Hoffnung. Durch ihr beeindruckendes Engagement konnten im vergangenen Jahrzehnt 34 Meeresschutzgebiete (Marine Protected Areas, MPAs) im Inselgebiet des Danajon-Riffs eingerichtet werden.

Unsere Tauchgänge in diesen MPAs waren ein völlig anderes Erlebnis. Innerhalb der geschützten Grenzen scheint das Leben wieder zurückzukehren. Der Unterschied war überwältigend: wunderschöne Korallen im Überfluss und ein artenreiches, sich wieder erholendes Ökosystem. In einem MPA, das Bilangbilangan genannt wird, bedecken endlose Felder aus Steinkorallen den seichten Meeresboden. In tieferen Gewässern bewegen sich riesige Seefächer (oder Gorgonien) und Schwämme mit der Strömung. Sogar bedrohte Fingerkorallen (Anacropora sp.) kehren wieder zurück.

Große Fische sind zwar immer noch selten, doch diese lebendigen Riffe sind wieder Lebensraum für viele kleinere, faszinierende Arten von Fischen und Wirbellosen geworden. Die typischen tropischen Riff-Bewohner wie Anemonenfische, Papageienfische, Kaiserfische und Lippfische und überraschende Entdeckungen wie eine Blaurandseezunge (Soleichthys heterorhinos) und ein Schwarm Drachenkopf-Seenadeln (Corythoichthys intestinalis) machten das Fotografieren in den MPAs zu einem großen Vergnügen und vermittelten mir einen Eindruck von der großen Artenvielfalt, die ursprünglich in diesem Gebiet existierte.

Die Menschen in der Danajon-Region wenden sich allmählich nachhaltigeren Fischfangmethoden zu und suchen nach Alternativen zum Fischfang, wie beispielsweise der Kultivierung von Meeresalgen. Zudem hat sich den Fischern eine zusätzliche Einkommensquelle eröffnet: Dank Net-Works – einem Kooperationsprojekt zwischen ZSL und Interface, einem globalen Teppichfliesen-Hersteller – sammeln sie ausrangierte Fischnetze. Diese leider viel zu häufig vorzufindenen Altnetze verursachen erheblichen Schaden in den örtlichen Ökosystemen. Sobald die gesammelten Netze gesäubert, verpackt und exportiert wurden, können sie nun zu Teppichfliesen wiederverwertet werden.

Wenn diese Bemühungen fortgesetzt und neue, erweiterte MPAs eingerichtet werden, dann kehren vielleicht auch die großen Fische und Haie eines Tages wieder in die Danajon-Gewässer zurück.

Auf meinen Reisen in Entwicklungsgebiete werde ich oft daran erinnert, dass schon allein das Nachdenken über den Naturschutz für viele von uns ein Luxus ist oder zumindest zu sein scheint. Ich bin dankbar dafür, dass es Menschen und Organisationen gibt, die sich konsequent für diejenigen einsetzen, deren Leben besonders stark vom Naturschutz abhängt. Ich werde auch an unsere gemeinsame Menschlichkeit erinnert und auf wie viele Weisen wir miteinander verbunden sind. Dank der Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft meiner neuen Freunde auf den Inseln des Danajon-Riffs fühlte ich mich ganz wie zu Hause und verbrachte nicht nur meinen letzten Abend mit ihnen, sondern nahm sogar an ihrem Lieblingszeitvertreib, dem Karaoke, teil. Ich habe aus vollem Herzen mitgesungen!

 

 

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